Mittwoch, 19. Juli 2006
16. Etappe von Bourg d’Oisans nach Toussuire Les Sybelles
Der Däne Michael Rasmussen trägt nicht nur den Spitznamen „Hühnchen“ sondern seit heute ein neues Federkleid: Das Bergtrikot. Das Weiße mit den roten Punkten war zuletzt im vergangenen Jahr in Paris auf den Schultern des Rabobänkers. Dieses Jahr hatte Titelverteidiger Rasmussen das Trikot bisher nur aus der Ferne gesehen. Doch das „Dach der Tour“, den Col du Galibier, flog das Huhn scheinbar mit leichten Flügeln hoch.
Zu dritt waren sie bei Kilometer 6 ausgerissen. Doch ließ der Däne auf dem Anstieg zum Col de la Croix de Fer, dem zweiten der Ehrenkategorie, seine beiden Mitflüchtlinge Sandy Casar (FDJ) und Tadej Valjavec (LAM) hinter sich und heimste auch auf den folgenden Anstiegen alle Punkte der Bergwertungen ein. Der von Beginn an große Vorsprung zu den Verfolgern verringerte sich zwar zum Schluß, reichte ihm aber locker zum Etappensieg bei der Bergankunft in Toussuire.
Zwischenzeitlich hatte eine Gruppe mit u.a. Popovych (DSC) und Sinkewitz (TMO) die Verfolgung organisiert, eine zum Scheitern verurteilte Mission, da die Zusammenarbeit nicht gut lief: Zu viele Rennfahrer mit zu unterschiedlichen Interessen?
Spannung pur gab es in der Gruppe der Favoriten mit Landis, Menchov, Evans, Sastre, Pereiro, Dessel, Moreau, Klöden und Leipheimer. Am zweiten Berg konnte sich Leipheimer absetzen, die Gruppe reagierte nicht und ließ ihn ziehen. Der Sprudelkäpt’n überholte Casar und fuhr gemeinsam mit Valjavec über den Col du Mollard, den er dann aber auch zurückließ.
Das Tempo in der Favoritengruppe wurde stetig höher. Am letzten Berg sprang Sastre plötzlich weg. Diese Attacke hängte Landis, bereits vorher nicht auf der Höhe, ab: Gelb in höchster Gefahr, kein Helfer in der Nähe! War es der gefürchtete Albtraum Hungerast, der den Ami den Sieg in Paris gekostet haben dürfte? Oder handelte es sich “nur” um den “natürlichen Feind des Radfahrers” (Rolf Aldag), den Berg, der dem Ami einen Al”p”traum bescherte?
Die Konkurrenz organisierte ohne den abgeschlagenen Gelben die Verfolgung Sastres. Klöden hatte noch seine beiden Helfer Rogers und Mazzoleni dabei, war also in der besten Ausgangsposition. Sastre schloß zu schnell Leipheimer auf. Zusammen fuhren sie jedoch nur wenige Minuten, Leipheimer brach ein, Sastre zog weiter. Leipheimer wurde etwas später von der Favoritengruppe eingeholt, in diesem Moment griff Klöden an. Nur Pereiro und Evans konnten ihm folgen. Menchov war in Schwierigkeiten, kam, wie auch Dessel und Moreau, nicht mehr in die Nähe der drei.
Sastre fuhr 1′41′’ nach dem Etappensieger Rasmussen ins Ziel. Der Neue ist der Alte: Das Gelbe ist zurück bei Pereiro, der als Dritter mit 1′54′’ Rückstand über den Zielstrich rollte. Zwei Sekunden später kamen Evans als Vierter in Toussuire und Klöden als Etappenfünfter an.
Das gelbe Trikot ist also zurück bei Oscar Pereiro Sio, dem Kapitän von Caisse d’Epargne. Landis liegt mit 8′08′’ Rückstand abgeschlagen auf Platz 11. Den zweiten Platz im Gesamtklassement nimmt Sastre mit 1′50′’ auf den Gelben ein, Dritter ist Andreas Klöden mit 2′29′’ auf Pereiro. Platz Nr. Vier für Dessel (2′43′’), Nr. 5 für Evans (2′56′’). Fothen konnte sein weißes Nachwuchsfahrertrikot erfolgreich gegen Cunego verteidigen.
Es wurde aufgeräumt im Klassement! Der Ausgang des Rennes ist so offen, wie lange nicht mehr. Wer wohl Gelb auf den Champs-Élysées trägt? Noch 658 spannende Kilometer bis Paris! Darauf freut sich
Christine Boyer
Mme. Boyer,
Sie als Expertin: wie und wann soll der gute Andreas die zweieinhalb Minuten denn reinfahren? In den Bergen, so hört man, sei der Spanier ja exzellent, und beim Zeitfahren sind über zwei Minuten auch schwer zu machen, oder?
Bitte geben Sie uns die Siegesstrategie des Herrn Klöden durch,
bedankt,
JM
comment at 20. Juli 2006
Bonjour, ma chère Johan,
es sah gestern noch gut aus für Magentas Mann. Er hätte im Zeitfahren auf die Spanier locker Zeit gut gemacht - doch jetzt ist Floyd wieder im Rennen… Da sieht das natürlich alles anders aus. Prognosen sind in diesem Jahr nicht ganz leicht, doch Klöden stand immerhin schon mal auf der zweiten Stufe des Treppchens. Das kann seine Konkurrenz nicht behaupten!
Es grüßt
Ihre Mademoiselle C.
comment at 20. Juli 2006