17. Etappe: Floyd flieht
Donnerstag, 20. Juli 2006
17. Etappe von Saint-Jean-de-Maurienne nach Morzine-Avoriaz
Totgesagte leben länger: Floyd Landis, gestern böse eingebrochen, hat heute eine unglaubliche Flucht nach vorn angetreten und sich so seine Favoritenrolle auf Gelb zurückerobert. Er fuhr dem Hauptfeld mit dem Gelben Pereiro 125 Kilometer vor dem Ziel davon. Innerhalb kürzester Zeit holte der Phonaker eine zuvor ausgerissene elfköpfige Fluchtgruppe, die mehr als sechs Minuten Vorsprung hatte, ein. Darin vertreten war Magentas Sinkewitz. Nachdem Landis diese führende Gruppe durch scharfes Tempo auseinandergefahren hatte, blieb nur der T-Mobiler an seinem Hinterrad.
Obwohl schon eine große Distanz zwischen dem vorzeitig Abgeschriebenen und der Favoritengruppe lag, arbeitete dort nur das Pereiro-Team an der Verringerung des Abstandes. Der Gelbe suchte Unterstützung, doch mußte Caisse d’Epargne lange auf Mitarbeit durch andere Teams warten. Reagierten die Mannschaften anderer Gelbanwärter zu spät? Schließlich schickte CSC Voigt und Schleck nach vorn, auch T-Mobile ließ wenigstens einen Fahrer mitführen. Das Hauptfeld kamen wieder etwas näher an Landis und Sinkewitz, der den Phonaker über die gesamte Strecke führen ließ, um seinem Kapitän Klöden nicht zu schaden. Doch auch dieser lästige Verfolger wurde von Fluchtfloyd, der virtuell Gelb trug, abgeschüttelt.
Als sich ein Sieg Landis abzuzeichnen begann, wurde es in der Gruppe um das Gelbe wurde es spannend. Am letzten Berg, dem Col de Joux-Plane der Ehrenkategorie, griff Carlos Sastre nach Gelb: Er büxte, genau wie am Vortag, im letzten Moment aus. Weder Pereiro noch Klöden, der sehr angeschlagen wirkte, konterten die Attacke. Der Spanier wurde nicht mehr eingeholt, doch für die Übernahme von Gelb reichte es am Ende nicht. Bjarne was not amused…
Sorgen machte man sich um den Magentakäpt’n, er schien keine Kraft mehr in den Beinen zu haben. Mehrfach sah es danach aus, als ob die Lücke zwischen ihm und seiner Konkurrenz nicht mehr zu schließen sei. Doch seine Helfer Guerini und Mazzoleni blieben so lange bei ihm, bis Sinkewitz aufgefahren wurde, der Klöden dann zur Seite stand. Eine starke Teamleistung!
Die Aufholjagd hatte viel zu spät begonnen, der Abstand zum Ami mit dem Sonnenbrillentick war bereits viel zu groß. Seine Schwäche vom Vortag war über Nacht verschwunden, er wurde von der Konkurrenz zu lange nicht ernst genommen. Landis fuhr 125 Kilometer im Wind und alleine nach Morzine zum Etappensieg! Floyd is back!
Sastre fuhr mit 5′42′’ Abstand auf Landis ins Ziel, Pereiro und Klöden erreichten den Zielstrich mit 7′08′’ Rückstand auf den ersten. Zwischen den ersten drei Fahrern im Gesamtklassement liegen nur Sekunden: Das Gelbe behielt Pereiro, er hält es jedoch mit nur 12 Sekunden Vorsprung auf den Ausbüxer Sastre und 30 Sekunden Vorsprung vor dem wieder weit vorn platzierten Landis. In der Wertung um das Weiße konnte Cunego Fothen das Trikot entreißen, kein Grund zur Trauer: Der Sprudelfahrer ist zuversichtlich, den Italiener im Zeitfahren überholen zu können.
Was für eine Tour in diesem Jahr! Gestern Abend sah es unerwartet gut für den Ullefreund Klöden aus. Doch inzwischen hat sich das Blatt wieder gewendet: Auf dem vierten Platz im Gesamtklassement hat Andreas Klöden einen Rückstand von 2′29′’ auf Pereiro. Er ist ein guter Zeitfahrer, doch sind in dieser Disziplin auch Landis und Sastre zu Hause. Ob es für die Deutsche Hoffnung noch reichen wird, kann niemand sagen. In diesem Jahr hält sich mit Prognosen aus bekannten Gründen wohl jeder Experte zurück… So auch
Mademoiselle C.
Dear Christine Boyer
Heute, einen Monat darnach, dreht das Rad weiter:
Ihre Worte CB, lese ich wie Kunst. Stirnrunzelnd
bleibt noch einer mehr interessiert am Radsport.
Freundlich grüssend, Leser hughp
comment at 18. August 2006